Interview Barbara Würmli

 

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Hindernisrennen in Deutschland

Barbara Würmli

Über Schweizer Hindernisrennen ist in Deutschland nicht allzu viel bekannt, man ist Nachbar und doch ist man sich irgendwie fremd. Wer dies ändern möchte, dem sei wärmstens empfohlen Barbara Würmlis Seite GALOPPSZENE.CH zu folgen. Barbara berichtet nicht nur über Hindernisrennen sondern über Schweizer Galoppsport allgemein. Das illegitime Metier liegt ihr jedoch besonders am Herzen. Wir haben sie zu ihrem Engagement im Rennsport interviewt.

 

Steepler: Wie bist du zum Rennsport gekommen?

Barbara: Der Rennsport hat sich in mein Leben eingeschlichen. Ich war von klein auf mit meiner zehn Jahre älteren Schwester in einem Concoursstall, lernte dort reiten und war entsprechend am Wochenende an Springturnieren. Als ich im Teenageralter war, hatte meine Schwester eine Arbeitskollegin, die als Amateurrennreiterin aktiv war. Und so begannen wir, ab und zu zum Pferderennen zu gehen um eben diese Kollegin anzufeuern. Wir waren begeistert, gingen immer öfters auf verschiedene Rennbahnen, lernten Menschen aus der Szene kennen und sind hängen geblieben.

 

Steepler: Was fasziniert dich am Hindernissport?

Barbara: Ich mag den «alten» schwereren Typ Vollblut. Und mich faszinieren Hindernisrennen weil sie komplexer sind als Flachrennen. Hindernispferde müssen wie alle Rennpferde schnell sein, aber auch wendig und mutig, vor allem wenn sie auf Jagdbahnen mit Diagonalen laufen oder in Cross-Countrys an den Start gehen. Auch die Anforderungen an die Jockeys sind komplexer. Dadurch sind Hindernisrennen für mich interessanter und spannender als Flachrennen.

Steepler: Welches ist deine Lieblingsbahn?

Eigentlich habe ich keine Lieblingsbahn. Denn unser Land ist so klein, dass immer nur an einem Ort Rennen stattfinden und man entsprechend auch auf jeder Bahn die gleichen Pferde und Jockeys im Einsatz sieht und die gleichen Menschen trifft. Am nächsten steht mir wohl Frauenfeld, weil das quasi meine Heimatbahn ist. Dort habe ich die ersten Rennen live erlebt. Einst wurden in Frauenfeld auch an jedem Renntag Hürden-, Jagd- und Cross-Rennen gelaufen. Aktuell setzt der dortige Rennverein mangels finanziellen Mitteln vorwiegend auf Flach- und Trabrennen.

 

Steepler: Hast du im Hindernissport auch ein Lieblingspferd?

Ich leide unter der Schimmelkrankheit und so sind viele Pferde die ich speziell verfolge Schimmel. Ganz neu aus England in die Schweiz gekommen ist der Schimmel Astrum. In den habe ich mich auf den ersten Blick verliebt, als ich ihn in seinem Trainingsquartier auf dem Paddock stehen sah. Er gehört dem Ehepaar Lanter, wird von Hansjörg Speck trainiert und feierte bei seinem Einstand in der Schweiz gleich den ersten Sieg über Hürden. Ich denke, von dem werden wir noch viel sehen.

 

Steepler: Seit wann berichtest du schon über den Schweizer Rennsport, wie ist es dazu gekommen?

Barbara: Ich habe im Herbst 2015 meine Webseite www.galoppszene.ch online gestellt. Bei uns in der Schweiz gibt es seit vielen Jahren keine Rennsportzeitschrift mehr. Es gibt ein Online-Portal, das aber kostet und dazu ab und zu Berichte und Reportagen in allgemeinen Pferdezeitschriften. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Artikel die ich gerne lesen würde, nirgends zu finden sind. Also habe ich gedacht, dass ich sie halt selber schreibe. Seit Ende 2016 schreibe ich nun auch für gedruckte Pferdefachzeitschriften, allerdings nicht nur über den Galoppsport, sondern auch über andere Pferdethemen. Dadurch, dass ich natürlich auch Geld verdienen muss, stehen die Artikel für Zeitschriften momentan im Vordergrund, wodurch meine Webseite ein bisschen leidet.

 

Steepler: Woran liegt es deiner Meinung nach, dass die Schweiz und Deutschland sowenig von einander wissen, rennsportmäßig gesehen?

Barbara: Ich glaube, wissen tun sie schon einiges voneinander, es ist eher mangelndes Interesse. Die Schweiz richtet sich stark nach dem französischen Rennsport. Eigentlich ist das auch verständlich. Zwar ist Deutschland genau so ein Nachbarland der Schweiz wie Frankreich, aber Frankreich und England sind DIE Rennsportländer in Europa. Es gibt aber einige Schweizer Besitzer wie Hans-Georg Stihl, Mark Hänni oder Angelika Muntwyler, die Pferde in deutschen Quartieren trainieren lassen. Ich selber mag die deutschen Rennbahnen sehr gerne und habe schon viele besucht. Mit unserem früheren Rennpferd Raban waren wir über die Jahre in München, Herxheim und Düsseldorf am Start. Jetzt habe ich zwar kein eigenes Pferd mehr, aber ich besuche fast jedes Jahr ein- bis zweimal die Rennbahn München-Riem und war auch schon zweimal am Derbymeeting in Hamburg-Horn.

 

Steepler: Wie ist die Lage im Schweizer Hindernissport?

Barbara: Bei uns werden zwar glücklicherweise immer noch recht viele Hindernisrennen in allen Sparten ausgeschrieben, aber es kommen selten Felder von mehr als sechs oder sieben Pferden zusammen. Das liegt aber nicht daran, dass Hindernisrennen nicht beliebt sind, sondern vor allem daran, dass unser Rennsport allgemein sehr klein ist. Wir hatten in den letzten Jahren jeweils so 230 bis höchstens 250 aktive Galopper. Und in fast jedem Land ist die Anzahl Flachpferde sehr viel höher als die Anzahl Hindernispferde. Somit ist klar, dass wir halt nur sehr wenige Pferde über Sprünge sehen. In der letztjährigen Hindernisstatistik wurden 36 Pferde geführt. Wir bräuchten allgemein mehr Pferde und entsprechend mehr Besitzer, dann würde wohl auch die Anzahl Hindernispferde steigen. Zudem haben wir auch nur sehr wenige Hindernisreiter. Wieso nicht mehr der Damen und Herren über Hindernisse reiten wollen, weiß ich nicht...

 

Steepler: Wo siehst du die Probleme und Chancen?

Problematisch wird es, wenn die Anzahl an Rennpferden in der Schweiz weiter stagniert oder sogar noch kleiner wird. Dann wird es tendenziell auch weniger Hindernisrennen geben. Eine Chance sind Stall- und Besitzergemeinschaften. Vielen Schweizern ist ein eigenes Rennpferd zu teuer. In einer Besitzergemeinschaft können sie sich für wenig Geld und wenig Risiko an einem oder mehreren Pferden beteiligen und können alle schönen Seiten des Besitzerdaseins genießen. Eine weitere Chance für den Schweizer Hindernissport ist die neue Omento Next Generation Hürden Trophy (https://omento-trophy.com). Sie ist auf Nachwuchs-Hindernispferde ausgerichtet und soll Besitzer und Trainer motivieren, mehr Pferde über Sprünge zu schulen und an den Start zu bringen.

Steepler: Was sind deine persönlichen Wünsche, Hoffnungen oder Ideen für den Schweizer Hindernisport?

Barbara: Ich wünsche mir, dass der Schweizer Rennsport generell neu erblüht und die Anzahl Rennpferde und Besitzer steigt. Dazu ist es nötig, dass sich die Präsenz von Pferderennen in den Medien erhöht. Da tue ich selber mein Bestes um Galoppsportbeiträge in Zeitschriften und Zeitungen zu bringen. Wichtig ist, dass diese nicht nur in Pferdefachzeitschriften erscheinen, sondern auch in Medien, die von Menschen konsumiert werden, die mit Pferden noch nichts am Hut haben. Ich konnte im vergangenen Jahr zum Beispiel ein Gemeindeblatt dazu motivieren, einen Beitrag über die im Ort ansässige Galopptrainerin Carina Schneider zu bringen. Das hat mich selber sehr gefreut, weil die Leute auf etwas das sich im eigenen Wohnort abspielt viel eher neugierig werden, als auf etwas, das sie nicht berührt. Ich persönlich finde, dass sich der Pferderennsport auch öfters an Events ausserhalb des Pferdesports präsentieren sollte. Zum Beispiel an Publikumsmessen wie der Züspa oder der OLMA. Da könnte der Pferderennsport einer großen Masse bekannt gemacht werden. Oder auch an Top-Sportveranstaltungen wie dem Leichtathletik-Meeting «Weltklasse Zürich» oder dem Tennisturnier «Swiss Indoors» in Basel. Gerade an großen Sport-Events wo sich viele generell sportaffine Menschen treffen und auch viele Entscheidungsträger von im Sport aktiven Firmen vor Ort sind, ließen sich wertvolle Kontakte in Sachen Sponsoring knüpfen. Unsere Rennvereine halten sich vorwiegend an regionale Sponsoren sowie an Unterstützer aus dem Rennsport selber. Da größer zu denken und sich national zu orientieren wäre meines Erachtens eine Chance.

Cross Country-Rennen in Aarau

Foto: www.turffotos.ch

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